nach der letzten Distribution, auf die wir 117 Rollstühle mitgenommen haben, waren die Rollstühle in unseren Regalen und dem Warehouse an 2 Händen abzuzählen. Das wir die letzte Donation bekommen haben ist schon einige Monate her und 3 Container mit Rollstühlen hätten innerhalb der letzten 5 Wochen schon ankommen sollen...
Nach der Flaute haben wir am Samstag den 26. dann direkt 2 Container bekommen.
Der erste Container kam aus Deutschland. Er enthielt die meisten Stühle und Rolatoren. Mit deutscher präzision wurden die Stühle in Reihen aufeinandergestapelt. Zusammengefaltet, liegend, ineinandergeschachtelt. Alle Lücken wurden mit Rolatoren, speziellen Sitzkissen und Rollstuhlzubehör (Reifen, Footrests, Armrests...) gefüllt. Es war nicht leicht einen Anfang zu finden, ohne, dass sich die Stühle ineinander verkeilt hätten.
Als nächstes musste nämlich jeder Einzelne Stuhl ins System aufgenommen werden. Um das zu schaffen haben sich Zweierteams gebildet. Einer hat das sog. Tag geschrieben.
Und die andere Person hat dem Stuhl alle relevanten Informationen entnommen.
Wer hat gespendet? (Donor)
Welche Farbe hat der Rahmen?
Non welcher Marke ist der Stuhl?
Welche Art Rollstuhl ist es? oder vielleicht ein Kinderwagen (Stroller)?
Ist der Rahmen faltbar?
Sind die Reifen massiv oder mit Luft gefüllt? Und welches Profil haben sie?
Hat der Stuhl Zubehör wie Kopfstütze (Headrest) und/oder Sitzgurte?
Welche Breite und Länge hat der Sitz und wie hoch ist er über dem Boden?
Gleichzeitig checkt man den Rollstuhl, ob irgendetwas fehlt oder fehlerhaft ist. Häufig ist ein Armrest beschädigt, es sind keine footrests vorhanden oder die Bremsen müssen eingestellt werden.
Ist das oder eine größere Reparatur zu erledigen, bevor wir den Rollstuhl weiter geben können, wird im unteren linken Eck des Tags ein Kringel um 'ready for Distribution' gemacht und der Stuhl bekommt neben dem weißen auch ein Red Tag.
Ist der Stuhl allerdings ready for Distribution bringt man ihn direkt weiter zum Shelf oder ins Warehouse.
Dafür waren in diesem Fall ein paar Soldaten und Auszubildende des Thailändischen Militärs zuständig, deren Zentrale direkt neben dem RICD-Gelände liegt.

Nachdem wir mit ihrer Hilfe den Großteil der freien Fläche wieder frei hatten ist schon der Irländische Container auf den Hof gerollt.
Allerdings fing es kurz nachdem wir angefangen haben den auszuladen an zu regnen. Wir Farangs und die meisten anderen Mitarbeiter haben sich untergestellt. Aber nicht die Männer vom Militär. Die haben sich nicht beeindrucken lassen. Stuhl für Stuhl haben sie uns unters Dach gerollt bis der Regen so stark wurde, dass im Warehouse eine der großen Regenrinnen unter der Last nachgegeben hat.
Nach dem Regen haben wir den Container fertig ausgeladen und auch noch einiges anderes gefunden, als nur Rollstühle. Ein Großteil des Containers war mit Krankenhausequipment gefüllt. 6 Krankenhausbetten, Wattebälle, Urinale, Infusionsmaschinen en Mass, Matratzen, Decken und sogar eine Golftasche mit Schlägern haben uns die Iren geschickt. Es waren aber auch 5 Sewing machines (Nähmaschinen) dabei, was unser Nähteam sehr gefreut hat. Vor kurzem haben nämlich unsere zwei besten Nähmaschinen den Geist aufgegeben und übrig waren dann nur noch eine sehr alte, schwer zu bändigende Singer und eine sich ständig verkantende Haushaltsnähmaschine.
Gegen 14 Uhr haben wir angefangen den deutschen Container auszuladen und als wir das letzte Bett aus dem Irländischen ausgeladen haben ist es schon dunkel geworden. Es war ein langer Tag, aber es hat sich definitiv gelohnt. Unser shelf und das Warehouse sind jetzt wieder gefüllt mit größtenteils fast neuen Rollstühlen.
| Der einzige verbleibende freie Platz für Rollstühle |
Der Grund, dass die Stühle fast neu sind ist vorallem der TÜV in westlichen Ländern. Wenn ein Rollstuhl in Deutschland (von jetzt an vertretend für westliche Länder) von einem Patienten zurück kommt oder durch einen neuen ersetzt wird muss er, so gut er noch aussehen und funktionieren mag, vor seinem nächsten Einsatz einen langen und papier-aufwendigen Prozess durchlaufen, der die Organisationen auch noch Geld kostet. Für sie ist es das angenehmste einen neuen Stuhl zu kaufen, den alten zu Spenden und den Gegenwert von der Steuer zurück zu bekommen (Win-Win). Dazu ist zu sagen, dass die Patienten in Deutschland (westen) alle drei Jahre Recht auf einen neuen Rollstuhl haben. Hier in Thailand tauschen wir den Rollstuhl durchschnittlich alle 5 Jahre.
Unsere Hauptspender sind Organisationen in der Niederlande, Deutschland, Irland, Japan und den USA. Zu letzteren gehört auch 'Joni and friends' sie liefern uns die qualitativ besten Rollstühle.
Eine Letzte Sache muss dann aber noch gemacht werden, bevor wir die Stühle letztendlich rausgeben können...
Da wir sie nicht verkaufen, sondern kostenlos rausgeben muss auf jedem Stuhl stehen, dass er nicht verkäufliches Eigentum der Prinzessin von Thailand und als kostenloses Geschenk anzunehmen ist.
Dafür ist S. unser thailändischer Mitarbeiter zuständig. Er schwingt den weißen Edding wie kein anderer Thai und ist auch als einer von wenigen nur berechtigt die Rollstühle mit dieser Information zu beschriften.
Diese Woche dürft ihr wieder gerne beten
- dass tatsächlich niemand die Stühle benutzt, um Geld damit zu verdienen. Mir wurde zum Beispiel erzählt, dass manche ihre Rollstühle bewusst kaputt machen, um früher einen neuen zu bekommen...
- für einen guten Start mit den neuen FSJlern im August
- für weiterhin gute Zusammenarbeit im Team und dass Unstimmigkeiten und unüberlegte Worte nicht die Arbeit behindern und die Stimmung ruinieren müssen
Dankesanliegen:
- Ich darf hier wirklich viel erleben, entdecken und eine neue Kultur kennenlernen.
- Meine Thaisprachen Skills wachsen laaangsam aber sicher :D
Und Ich kann nur immer wieder für euren genialen Support und die Gebetsunterstützung danken. Mein Fuß wär sicher nicht so gut verheilt, meine Motivation wäre vielleicht nicht mehr so groß und der Segen, der mir durch eure vielen regelmäßigen Gebete zukommt ist deutlich spürbar.
Vielen herzlichen Dank auch an alle, die dafür sorgen, dass mein Blog auch die erreicht, die kein Internet haben und trotzdem auf dem laufenden gehalten werden möchten. Genau die grüße ich nämlich heute. Ich weiß, dass meine Großeltern das gerade auf Papier vor sich haben und den wöchentlichen Ausdruck, der in meiner Heimatgemeinde ausgelegt wird informiert auch einige, die meinen Blog nicht online lesen. Also auch ein großes Dankeschön an alle, die meine Neuigkeiten interessieren und sie analog verfolgen.
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