Hey Leute
Ich sitze hier gerade in Gottes wundervoller Schöpfung, umgeben von Bäumen, Gräsern, Bergen und einem kleinen Bergcafé. Aus der Ferne hört man noch das Röhren von Mptoren aus dem lauten ChiangMai, worauf ich gerade einen wundervollen Ausblick genieße. Allerdings ist das eher ein angenehmer Unterton zu dem zwitschern der Vögel, dem Gackern von Hühnern und dem Zirpen der Grillen, die auf allen Richtungen im Unterholz ihr bestes geben.
Ihr ahnt es vielleicht schon. Dieser Blogeintrag wird etwas anders, als die meisten anderen. Ich habe mir zum ersten Mal im Vorhinein keine Gedanken darüber gemacht, worüber ich schreiben kann, soll oder will. Ich lasse einfach meinen Gedanken freien Lauf, was mir in der unruhigen, lauten und wilden Stadt nicht wirklich gelingt.

Das erste, was mir in dieser wundervollen Idylle einfällt ist mal wieder, wie dankbar ich eigentlich sein kann. Ich darf hier sitzen und die Natur genießen. Ohne Stress, ohne Zeitdruck und ungestört. Ich weiß, dass das nicht so bleiben und mit steigender Verantwortung immer seltener wird. Umso mehr genieße ich diesen Moment der Ruhe.
Das nächste, was mir in den Sinn kommt ist das WheelChair Project. Obwohl ich erst so kurz dabei bin und die Entwicklung nicht selber miterlebt habe ist es doch krass, was wir mit dem Projekt schon alles Erreicht haben. Gestartet hat alles mit einer Hand voll Menschen, die Behinderten Menschen in einem Land helfen wollte, wo diese wegen der Religion ihrer Verwandten versteckt gehalten wurden. Mit der Zeit sind Beziehungen entstanden und man Könnte sich dem RICD anschließen, was nicht nur die Öffentlichkeitsarbeit unterstützt hat, sondern auch einen wichtigen Schritt in Richtung Zusammenarbeit mit den Behörden gesetzt hat. Das WCP bekam immer mehr Raum im RICD und Spender meldeten sich nicht mehr nur aus Amerika (Joni andere Friends) sondern auch aus Europa und Asien. Mit Steigender Zahl der Spender bekam das WheelChair Project mehr und bessere Stühle und der Wunsch nach Expansion würde laut. Man könnte mehr Menschen helfen und die Mittel standen auch mehr und mehr zur Verfügung.
Es sind also Verbindungen nach Außen nötig geworden. Zuerst in Nachbarstädte, Bangkok und in den Süden Thailands. Mittlerweile fliegen wir aber auch auf Distributions in Nachbarländer wie Malaysien.
Die Möglichkeit das Evangelium zu verkündigen ist keine Selbstverständlichkeit. Im Gegenteil. Wir arbeiten unter dem Schirm des RICD, welcher Buddhistisch ist. Die Möglichkeit als WheelChair Project an jeden verteilten Rollstuhl eine Tasche mit christlichen Schriften hängen zu dürfen ist ein riesiges Privileg, welches mit vielen Worten und diplomatischen Lösungen Ausgehandelt wurde. Ansonsten dürfen wir zwar Einladen zu externen Kreisen, Camps und anderen Angeboten, bei denen das Wort verkündigt wird, denn im Projekt selber dürfen wir leider nicht missionieren. Wir können (soweit eine Person Englisch versteht und sich interessiert) Zeugnis geben und sagen, dass ihr christlichen Voluntäre aus Deutschland sind, doch das WheelChair Project darf nicht in christlichen Licht erscheinen.
Dennoch ist die Entwicklung, die das Projekt und sogar das Land macht eine positive. Man sieht immer mehr Menschen mit Behinderungen auf der Straße, Mütter, die ihre behinderten Kinder im Rollstuhl mitnehmen und am alltäglichen Leben teilhaben lassen und auch in der Politik mehr Toleranz für ‘disabled people’.
Es ist aber auch genial, was ich allein schon in meinen paar Monaten mit dem WheelChair Project erlebt habe. Natürlich arbeiten hier unterschiedlichste Menschen zusammen. Aus Amerika, aus Thailand, aus Deutschland… Und natürlich gibt es Dinge, in denen man den anderen nicht versteht, aber selbst innerhalb der deutschen ‘clique’ gibt es hin und wieder Verhalten und Eigenschaften, die man nicht versteht. Es gibt Streit, aber bisher auch immer (mehr oder weniger bzw. früher oder später) Versöhnung. Oft ist es schwierig auf der Arbeit und ich kann noch lange nicht sagen, dass ish mich mit jedem gut verstehe. Oft kommen in mir Zweifel auf, die mich fragen lassen, ob es nicht doch besser gewesen wäre den Einsatz bei seinen 4,5 Monaten zu belassen. Doch in letzter Zeit ist mir etwas klar geworden… Ich habe in Deutschland schon gesagt, dass es bestimmt nicht einfach wird und, dass man an schwierigen Situationen und Herausforderungen am besten wächst. Das und die Unterstützung, die ich von euch bekomme machen mir immer wieder Mit zu Wissen und mich selbst daran zu erinnern, dass es eine sehr gute Entscheidung war länger hier zu bleiben.
Diese Gewissheit lässt mich auch die Angriffe des Teufels aushalten. Er weiß nämlich ganz genau, wie er mich sogar mit Kleinigkeiten (wie den Klicks auf meine Blogeinträge oder das Verpassen einer Hochzeit in Deutschland) ins Schleudern bringen kann.
Anschließend möchte ich diesen Blogeintrag in diesem Sinne mit einem Großen Dankeschön an euch. Ich habe es oben schon erwähnt, aber es ist mir wirklich wertvoll und ich bin Gott extrem dankbar dafür, dass ich in meiner Heimat so viele Menschen habe, die für mich beten, sich für mich interessieren und mich sogar freiwillig unterstützen obwohl sie teilweise selber sehr darauf achten müssen wofür sie wievielt Geld ausgeben.
Ich bin hier von Gott echt Reich beschenkt. Körperlich, geistig und seelisch geht es mir gut. Trotz Anfechtung, trotz schlechter Tage und trotz hier und da unschöner Arbeit. Ich weiß, dass mein Schöpfer und Heiland bei mir ist, ich ihm alles anvertrauen kann und dass ich an allem, was ich hier erlebe und durchlebe Wachsen darf.