Samstag, 9. März 2019

Mein Paradies in Chiang Mai


Hey Leute
Diese Woche ist im Grunde nichts spannendes passiert...
Es ist kein Projekt fertig geworden und es gab nicht zu viel Krach zwischen diversen Personen (vermutlich, weil unsere WHO-Delegation auch diese Woche wieder im tiefen Süden Thailands war).
Trotzdem wird diese Woche vielleicht den Rest meines Einsatzes nochmal verändern.
           



Wie schon angedeutet war die Arbeitswoche nicht besonders Spannend. Wir haben Rollstühle repariert und angepasst. Vor allem aber gestript, das heißt auseinander genommen, und zu Ersatzteilen verarbeitet. Das ist mit die Arbeit, die am meisten Dreck und Unordnung produziert. Darum war es auch nicht verwunderlich, dass wir am Ende der Woche eine große Unordnung zu beseitigen hatten:

Freitag nachmittags muss nämlich alles ganz sauber und ordentlich sein.

Zwischendurch haben wir auch noch ein Song Taew beladen dessen Ziel das BCMF (Burma Children Medical Fund) war. Dieses Zentrum, das sich in Burma um die medizinische Versorgung der Kinder kümmert, bekommt von uns regelmäßige Materialspenden. Die Menschen des BCMF haben zum Anliegen, dass Kinder, die an der Burmesisch-Thailändischen Grenze leben, nicht nur medizinische Versorgung für ihre teils komplexen Behinderungen, Verletzungen und Krankheiten bekommen. Sie versorgen die Patienten auch mit Nahrung und Unterkunft, solang diese in Behandlung sind.

Wir machen mit dem Team quasi einen Win-Win Handel, wenn. Das Material von dem wir zu viel oder wofür wir keine Verwendung haben (das uns also Platz wegnimmt) ist für die Burmesen in dem Zentrum Gold wert. Denn oft hat das gespendete Material nur unerhebliche, oberflächliche Materialschwächen oder ist gar neuwertig.
 

Am Nachmittag des letzten Arbeitstages dieser Woche hat mich dann Christian vom Projekt abgeholt und ist mit mir zu verschiedensten Holzhändlern und Innenausstattern gefahren. Ich war erstaunt zu sehen, dass das HPL (Oberflächenbeschichtungen z.B. für Küchen) hier mit teilweise dem selben Decor (Optik des HPL) verkauft wird, wie in Deutschland.
 

Fasziniert hat mich auch die wunderbare Liebe zum Detail bei den Handschnitzereien auf z.B. Türblättern:
 

Die Silhouette des Vogels wurde vermutlich gefräst, doch die Augen, Federn, Wolken und alles, was Detail gibt war nachträglich in die Konturen eingeschnitzt.

Am meisten hat mich aber das Sägewerk begeistert. Ohne große Erwartung meinerseits sind wir dort angekommen. Doch dann haben wir uns auf einmal auf einem Parkplatz zwischen zwei riesigen Hallen wiedergefunden. Ich bin ausgestiegen und musste sofort anfangen zu grinsen...
Da war der Geruch von frisch gesägtem und gehobeltem Holz, die bekannten, lieblichen und unbewusst stark vermissten Geräusche von Holzbearbeitungsmaschinen. Tischfräse, Abrichte, E-Hobel, Breitbandschleifmaschine,... Kurz: Alles, was ein Schreinerherz höher schlagen lässt.


Auch einen Bereich (in dem man leider keine Fotos machen durfte) mit riesigen Bandsägen und Förderbändern gab es. Das musste wohl der Ort sein, wo die ganzen Stämme rein kommen und zu ersten Mal aufgetrennt werden. Einfach genial dieser Arbeit zuzuschauen...



In der Fabrik selber wurde das Holz aber zum Teil auch schon fertig verarbeitet. Von einfachen Blockrahmen über Fensterelemente bis hin zur fertigen Türe mit Füllungen... Ich hätte am liebsten direkt mit angepackt.



Bevor wir gegangen sind habe ich mir noch ein 240x24x1000er Brett gekauft. Daraus werde ich probehalber mal ein Transferboard bauen. Soetwas zu bauen wurde mir schon ganz zu Anfang meines Einsatzes aufgetragen, unmittelbar nachdem Cece mitbekommen hat, dass ich mit Holz umgehen kann. Bisher hat allerdings das Massivholz dafür gefehlt. Ich hoffe, dass ich irgend eine Art Zusammenarbeit oder zumindest den Kontakt herstellen kann, damit wir in Zukunft Massivholz über das Sägewerk beziehen können. Denn diese Transferboards sind wirklich gefragt und ein super praktisches Hilfsmittel für alle Rollstuhlfahrer.



    Ich bin wirklich glücklich und dankbar dieses Erlebnis am Freitag gemacht zu haben. Es hat mir gezeigt, dass es doch Massivholz in Chiang Mai gibt. Wenn ich den Kontakt herstellen kann werden es zukünftige, holzbegabte Kurzzeitler einfacher haben Cece's Anfragen nachzukommen und die Patienten werden es auch viel leichter haben ihren Alltag zu bewältigen, wenn wir die Möglichkeit haben ihnen diese Transferboards mitzugeben.
    Dankbar bin ich auch dafür, dass diese Woche zwar voll, aber dennoch entspannter war, als die Wochen davor.
    Außerdem bin ich dankbar, dass Anna (deutsche Missionarin) nach 2 Monaten Heimataufenthalt jetzt wieder im Lande ist. Sie regelt das Sewingdepartment (Nähabteilung) aber hat auch sehr gut die restlichen Strukturen des Rollstuhlprojektes im Blick. Mit ihr kann man sich gut unterhalten und so einen Überblick bekommen. Das hilft die Arbeit nicht als großen Berg vor sich zu sehen, sondern als Herausforderung, die man dann systematisch angehen kann.


    Ich bitte euch zu beten für das, was jetzt ebenfalls in Form eines Großen Felsen langsam aber sicher auf mich zugerollt kommt. Mein Heimflug in 3 Monaten und 10 Tagen. Das ist noch ein wenig entfernt ich weiß... Aber ich muss mich langsam anfangen damit zu beschäftigen und es nicht die ganze Zeit vor mir her zu schieben. Dementsprechend ist es für mich gerade schwierig die Balance zu finden. Einerseits möchte ich mich hier noch zu 100% einsetzen und ganz bei der Sache sein. Andererseits kann ich auch nicht ganz unvorbereitet zurück nach Deutschland fliegen. Wo werde ich arbeiten? Wie reagieren Familie und Freunde auf die Veränderungen, die an und in mir stattgefunden haben? Sollte ich den Kontakt nach Deutschland für die letzten 3 Monate reduzieren oder intensivieren?...
    Außerdem steht das Gespräch mit dem Thai-Pastor und seiner Frau immer noch aus. Morgen in einer Woche war ein erster vorsichtiger Vorschlag, der jetzt noch zu einem Termin werden muss. Ich bin dankbar, dass die beiden uns gegenüber so offen und bereit reagiert haben. Dass sie der Anfrage zugestimmt haben und jetzt versuchen einen Termin mit uns zu finden, um über ihren Glauben und die Überzeugungen zu sprechen, die sie in ihrer Gemeinde lehren. Ich schaue gespannt und respektvoll auf dieses Gespräch voraus und hoffe, dass es kein Verbaler Krieg, sondern en gesegnetes, gutes und aufschlussreiches Gespräch wird.

Dankeschön für eure Unterstützung im Gebet und mit großzügigen Gaben, die mir hier ganz praktisch das Leben in Chiang Mai ermöglichen.

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