Hey Leute
Die letzte Woche war für das Rollstuhlprojekt sehr fordernd.
Es ist wirklich genial zu erleben, wie das Projekt wächst. Gott segnet uns als Organisation und Team wirklich sehr und die Auswirkungen dieser Expansion waren diese Woche deutlicher denn je zu spüren.
Am Montag morgen sind wir mit einem 12köpfigen Team auf Distribution gefahren. Nach 6h auf der Straße sind wir in Uttaradit angekommen und haben den Nachmittag vorallem dafür aufgewendet die 70 ausgewählten und 17 zusätzlich mitgeschickten Rollstühle zu sortieren und vorzubereiten.
Dieser Mann versucht das kleine Herz mit seinen Fingern zu formen, welches durch die K-POP Kultur auch in Thailand mittlerweile sehr beliebt und ein Zeichen von Friede und Liebe ist.
Die Frauen in unserem Team vom WCP waren zwar mit 4 von 12 deutlich in der Unterzahl, doch die Studentinnen (gelbe Shirts) und Übersetzerinnen (blaue Shirts) haben das Feld ziemlich gut ausgeglichen.
Dank dem Umstand, dass wir fast ausschließlich alte Menschen als Patienten hatten ging der Tag ziemlich schnell rum. Man hatte ständig die Befriedigung einen Patienten zu Pi Puk zu rollen und "Pi Puk khráp. Sèt læâu" (Pi Puk. Finished) zu rufen. Da es meistens wirklich nur ein, Patienten in den Rollstuhl setzen, Sitzkissen holen, Fußstützen anpassen, Legstrap anbringen und Bremsen checken war.
Hin und wieder mussten auch die Reifen höher oder tiefer gesetzt werden, aber das war wirklich selten.
Der nächste Tag bestand hauptsächlich aus Autofahrt. Am Morgen haben wir uns gegen 7 Uhr auf den Weg gemacht zum Ban Khok Hosital. Ich weiß nicht, ob der Name bewusst an Bangkok erinnern soll, jedoch habe ich gedacht wir fahren wirklich nach Bangkok und werden dort nochmal 15 Rollstühle verteilen...
Gott sei dank waren es dann aber doch nur 3h Fahrt. Beziehungsweise 4h da es hier in Thailand üblich ist alle halbe bis 3/4 Stunde anzuhalten für Shopping, Snacks und oder Amazon (ein sehr beliebter Coffeeshop den es an so gut wie jeder Tankstelle gibt)
Am Krankenhaus angekommen haben wir dann die 15 Patienten innerhalb von ca 2,5h bedient. 14 ältere Menschen und ein 'Kind'. Die Frau sah noch sehr Jung aus. Tatsächlich war diese Patientin aber schon 26 Jahre alt.
An ihrem Rollstuhl haben wir etwa eine Stunde lang geschraubt und ausprobiert, bis wir mit dem Ergebnis zufrieden waren. Und sie war es auch.
Sie konnte sich zwar fast gar nicht artikulieren, aber mit allen den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln hat sie unentwegt große Freude ausgestrahlt und sich bedankt.
Das war für mich das Highlight dieser Distribution. Ich werde niemals zu 100% nachvollziehen können wie groß die Freude in dieser Frau tatsächlich gewesen ist. Doch die Art und Weise und Häufigkeit, mit der sie versucht hat diese Freude auszudrücken hat mir einen kleinen Einblick gegeben. Und es füllt mich selbst mit Freude, Glück und auch Ehrfurcht, dass ich ein Teil dieses Großartigen Moments im Leben dieser Frau sein durfte.
Besonders bin ich aber auch dankbar, dass Gott mich an diesen Platz gestellt hat, wo ich so viel lernen, erleben und in seinem Namen bewirken darf.
Nach einem wirklich leckeren Mittagessen beim Krankenhaus sind wir dann, weil wir eh nur noch 10Km davon entfernt waren, zur Thailändisch-Laotischen Grenze gefahren. Ich hätte es mir ein wenig spektakulärer vorgestellt, wurde dafür aber von der schönen Umgebung überrascht.
Von dort aus ging es dann zum sog. Sirikit Dam. Ein riesiger Staudamm, der sich auch wieder als schöne Fotokulisse herausgestellt hat.
Dann ging es zum Resort, wo wir die letzte Nacht vor der Heimreise verbringen sollten.
Ein wunderbares Gelände mit viel Grünfläche, Papayapflanzen, einer Teichanlage und einer Fotogenen Brücke.
Zurück im RICD war in der Zwischenzeit auch einiges passiert.
Während wir auf Distribution waren ist hier ein Container angekommen. Mit 230 Rollstühlen aus Amerika durfte sich der Rest unseres Teams beschäftigen. Und sie waren wirklich gut und schnell. Innerhalb von zwei Tagen haben sie die Rollstühle sogar schon beschriftet, sortiert und fast komplett schon ins System mit aufgenommen.
Außerdem war auch eine Delegation von uns im tiefen Süden von Thailand. Dort bilden sie im Namen der WHO (Welt Gesundheits Organisation) u.a. Krankenhauspersonal aus, damit auch sie ganz offiziell Rollstühle anpassen und reparieren dürfen. Das wird auch im Rahmen unserer 'Expansion' gemacht.
Wir merken in letzter Zeit schon immer wieder, dass unser Platz im RICD nicht ganz ausreicht für die Masse an Rollstühlen, die wir reinbekommen und verteilen.
Dieses Problem versuchen wir schon mit dem neuen Gebäude zu lösen, welches leider erst bezogen werden kann, wenn ich schon wieder in Deutschland bin.
Doch es werden immer mehr Rollstühle benötigt werden, da wir nach und nach mehr Provinzen Thailands versorgen werden. Da wir aber irgendwann nicht mehr als ganzes Team ständig auf Distribution fahren können, arbeiten wir seit einem Jahr daran Außenposten vorzubereiten. Das bedeutet, dass Thais in bestimmten Regionen von uns ausgebildet werden die Rollstühle anzupassen, sodass wir dort hin dann nur noch Rollstühle schicken müssen ohne selbst ein Team losschicken zu müssen.
Das ist noch ein langer Weg, aber wenn man bedenkt, dass vor einem Jahr (ca. 11 Jahre nach der Gründung der Projekts) der 10.000ste Rollstuhl verteilt wurde und mit dem letzten deutschen Container schon der 15.000ste Rollstuhl reingekommen ist, dann kann man den Segen Gottes auf diesem Projekt nur noch schwer leugnen...
Eine weitere Sache, die fertig geworden ist während wir in Uttaradit waren sind die Regale im Container. Stefan hat sich wirklich dahinter geklemmt und ganz ohne großes Aufsehen die rechte Seite installiert. Als ich das innere des Containers dann gesehen und bemerkt habe, dass er jetzt komplett eingerichtet ist fand ich es einerseits schade, weil ich nicht dabei sein konnte. Andererseits war es auch ein cooles Gefühl zu sehen, was aus den anfänglichen Zeichnungen, mit großer Hilfe von Stefan, geworden ist.
Ich bin ganz besonders dankbar dafür ein Teil dieses großartigen Projektes sein zu dürfen. Den Wachstum und Segen hautnah erleben zu dürfen ist eine große Ehre für mich. Es ist nicht immer leicht, aber die Freude und das Glück der Patienten wiegt alles um Längen auf.
Auch dankbar bin ich für alles, was ich außerhalb der Arbeit erleben darf. Viele Erinnerungen, schöne Orte und Lektionen werde ich mir für mein ganzes Leben mitnehmen und ein kleines Stückchen von mir hier lassen, wenn ich im Juni schon nach Deutschland zurück komme.
Besonders dankbar bin ich aber für die Bewahrung, die ich und wir hier erfahren. Der Srtaßenverkehr ist hier nach wie vor wirklich wild und unberechenbar. Wenn man sich das so überlegt ist es echt ein wunder, dass bisher 'nur' insgesamt 4 Unfälle passiert sind. Schließlich sind wir alle Fahranfänger und manche von uns haben zuvor noch nie auf einem Moped gesessen. Das wir aus allen Unfällen komplett unbeschädigt rausgekommen sind ist ein zusätzliches Wunder, das ich nicht mehr als Glück sondern nur noch als Bewahrung zu bezeichnen wage.
Gleichzeitig bitte ich euch weiter zu beten. In unseren restlichen 3 Monaten und 17 Tagen kann noch einiges passieren und jetzt übermütig zu werden und sich zu überschätzen halte ich für eine nicht ganz unwahrscheinliche Reaktion auf bisher unfallfreies Fortbewegen in Chiang Mai. Kurz: Betet, dass wir auch in der letzten Zeit hier nicht den Respekt vor dem Verkehr verlieren und Dummheiten im Verkehr machen.
Betet auch für Stefan, der scheinbar ähnlichen Frust in sich trägt, wie ich ihn hatte weil ich in die neue Gruppe nicht so reingekommen bin, wie ich es mir anfangs vorgestellt habe. Er kapselt sich in letzter Zeit ganz extrem ab und macht nicht mal mehr bei seinen aller liebsten Beschäftigungen mit, wenn ein Großteil von uns Jungs dabei ist.
Außerdem bitte ich euch auch weiter für den Kampf in mir zu beten bezüglich der Theologie und Praktiken der Thai-Gemeinde. Betet für mich um Weisheit unterscheiden zu können und dass ich den Menschen trotzdem in Liebe und nicht mit Abneigung begegnen kann.
Demnächst werden Paul-David und ich uns mal mit dem Thai-Pastor und seiner Frau treffen, um über diese Praktiken zu reden. Bitte betet dafür, dass es ein gutes, ruhiges und gesegnetes Gespräch wird. Dass wir die Standpunkte des jeweils anderen verstehen und beurteilen können ohne gehässig, stur zu werden oder in Abwehrhaltung zu geraten.





Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen