Gestern war in Amerika offiziell Thanksgiving. Wir haben es auf Dienstag vor verlegt...
Den Sonntag davor war ich mit dem Pastor-Ehepaar der deutschen Gemeinde in einem überregionalen Thai-Gottesdienst und im RICD wurde eine 'first Stone ceremony' gehalten. 😊
Thanksgiving (das amerikanische Erntedankfest) wird an den unterschiedlichsten Tagen gefeiert. In Kanada ist traditionell der zweite Montag im Oktober dafür reserviert, in den USA ist es der 4. Donnersteg im November und wir deutschen sind uns in der Terminierung des Erntedankfestes eher uneinig. Die meisten 'Empfehlungen' drehen sich allerdings um den ersten Sonntag im Oktober...

In Amerika wird Thanksgiving traditionell mit einem großen Essen gefeiert, bei dem alle zusammenkommen. Alle Generationen der Familie und Freunde. Da die wenigsten von uns ihre Familie hier in Thailand haben und am Donnerstag das thailändische Lichterfest begonnen hat, haben wir am Dienstag ein großes Truthahn-Essen unter Freunden und Arbeitskollegen veranstaltet.

Der Tisch war wirklich reichhaltig bestückt. 2 Truthähne, Salate, 6 Baguettes, ein riesiger Auflauf mit viel Käse, mashed Potatoes, Meiskolben und 2 Torten + 3 Kuchen zum Nachtisch haben nichts zu wünschen übrig gelassen. So vollgefressen habe ich mich (nach meiner Erinnerung) erst einmal in meinem Leben.
Auf meine Bemerkung, dass ich voll und müde bin hat Erica wahrheitsgemäß mit den Worten "it's called 'Food coma'" geantwortet...

Das coolste an dem Abend war meiner Meinung nach aber die Runde des Austausches im Anschluss an ein paar Worshipsongs. Jeder durfte sagen, wofür er dankbar ist. Mal davon abgesehen, dass ich es wichtig und gut finde sich regelmäßig vor Augen zu führen, wofür man dankbar ist, war es ein echt genialer Austauch und jeder hatte etwas beizutragen. Mir sind auch wieder Dankesanliegen wichtig geworden, die ich schon wieder aus den Augen verloren hatte, weil sie für mich zum Alltag geworden sind. In unserer Runde saß nämlich auch eine Freiwillige, die dieses Jahr in den Bergen wohnt. Dort hat man kein fließendes Wasser, in den wenigsten Fällen Gas zum Kochen und Straßen kann man auch selten als solche bezeichnen.
Ich habe mir wirklich ein leichtes Einsatzgebiet ausgesucht, was Wohnumstände angeht. Warmes fließendes Wasser (esseidenn die Pumpe fällt aus), eine Küche mit Kühlschrank und Gasherd und ein eigenes Zimmer mit Bad.

Gar nicht einfach ist allerdings die Verteilung gegenüber der subjektiven Empfindung von Zuständigkeiten und Verantwortungen im Rollstuhl Projekt. Regelmäßig kracht es dort und wenn man Person B sagt, dass man eine Anweisung von Person A bekommen hat wird aus Prinzip gesagt, dass das unnötig ist und man doch besser die Aufgabe von Person B erledigen soll.
Lange Rede kurzer Sinn: Oft steh ich zwischen den Fronten und kann quasi nur entscheiden, bei wem ich Minuspunkte sammeln will...
Das führt häufig dazu, dass ich mich, obwohl die Arbeit an sich Spaß macht, sehr auf das Wochenende freue.
Besonders, wenn etwas besonderes ansteht

Am Sonntag des letzten Wochenendes bin ich zum Beispiel mit Hofmanns auf den Doi Saket gefahren, um an einem überregionalen Gottesdienst teilzunehmen. Vertreter von 18 Gemeinden haben sich auf dem Berg zusammengefunden, um die Gemeinschaft der Gemeinden zu feiern.
In dieser Kirche mitten auf dem Berg haben sich alle zusammengefunden. Ich habe wirklich gefallen daran gefunden Thai-Veranstaltungen zu besuchen. Ich verstehe zwar nur die Worte, die Gott und Jesus beschreiben, Segen und Worship, aber die Atmosphäre und der Ausdruck der Menschen spricht Bände. Man kann die Freude und die Leidenschaft der christlichen Thais richtig spüren und in ihren Gesichtern ablesen.
Auch, wenn von vorne Worship angeleitet wird steht dort niemand still.
Am genialsten an diesem Gottesdienst fand ich aber die Choreographien, die speziell dafür eingeübt wurden. Einige der Gemeinden haben sich nämlich einen Beitrag ausgedacht. Eine Gemeinde aus den Bergen hat in einem Tanz den Wandel visualisiert, der geschehen ist, als die Bibel in ihr Dorf gekommen ist.

Es wurde zwar nichts dazu erklärt (esseidenn der Songtext der Hintergrundmusik hat eine Message transportiert) aber durch die ausdrucksstarken Tänze, der Wandel der Kostüme und die Leidenschaft der Tänzer hat man den Wandel förmlich selbst miterlebt...
Auch der Prediger hat nicht still gestanden. Er hat seine Botschaft mit Elan und Körpersprache deutlich gemacht. Es gab leider keine Übersetzung, aber es ging offensichtlich um Dank, Lob und Gnade. (Es wurde der Psalm 100 gelesen)
Interessant (obwohl normal in Thailand) fand ich, dass wir ziemlich die einzigen waren, als der Gottesdienst offiziell losging, aber kaum noch mit dem Auto raus gekommen sind als es Zeit war zu gehen...

Es ist wirklich interessant diese Spannung zu beobachten, in er sich Chiang Mai befindet. Einerseits gibt es große Treffen, wie das Gebet für Chiang Mai (über welches ich letzte Woche berichtet habe) und solch einen Gottesdienst, andererseits werden auch täglich, überall offizielle buddhistische Rituale gehalten.
Von solchen ist auch das RICD nicht befreit. Im Gegenteil. Als Königliches Projekt muss es sogar buddhistisch zugehen. Weil wir als Rollstuhl Projekt Teil des RICD sind sollten wir bei der 'first Stone ceremony' auch dabei sein. Was das ist?
Auf deutsch würde man sagen 'den ersten Spatenstich setzen' es ist also eine kleine Zeremonie, um den Beginn eines Hausbaus einzuläuten.
Die Zeremonie bestand aus diversen, für mich immer noch unverständlichen, Ritualen. Ich werde meine Hypothesen allerdings mit aufschreiben.
Begonnen hat die Zeremonie mit monotonen Gesängen. Diesen Gesang kann man auch morgens auf Märkten hören. Die Standbesitzer knien sich in Gebetshaltung vor den Mönch, der den Markt besucht, und dieser beginnt mit dem Gesang. Dieses Ritual scheint ein Segensgebet darzustellen. Der Baugrund und der Bau des Gebäudes an sich scheint also dadurch buddhistisch gesegnet worden zu sein.
Als nächstes ist ein Mönch (er war ein kleines bisschen dunkler gekleidet, als die anderen 4) mit ein paar der Ranghöchsten des RICD nach vorne in die Lücke des Bauzauns getreten, wo sie dabei zugeschaut haben, wie das Erste Fundament-Loch gegraben wurde. Während die Arbeiter gegraben haben und das erste Gerüst in dem Loch aufgestellt haben, wurden verstreut über den Baugrund Böller gezündet. Ich denke, dass damit die Geister verschreckt werden sollten, die versuchen den Bau des Gebäudes zu verhindern.
Die vier Mönche im Hintergrund haben weiter ihre monotonen Gesänge zum besten gegeben.
Als die Knaller gezündet waren sind alle näher zusammen gekommen. Der Mönch hat dann mit einem Bündel von Holzstäben den Inhalt (vermutlich Reis) einer Schale durch eine Art Schlagbewegung in Richtung des Baugrundes und anschließend der Menschen gestreut.
Ich vermute, dass es Reis war, da dieser das Grundnahrungsmittel hier in Thailand darstellt und für Fruchtbarkeit und Wohlbefinden steht. "Hast du Reis geht's dir gut"
Nach einem Abschließenden gesungenen Gebet der Mönche wurde die Zeremonie dann als beendet erklärt.
Ich bin dankbar, dass Jesus mein Eckstein ist. Das Fundament und der erste Stein, mit dem und auf den ich mein Haus bauen will.
Dankbar bin ich auch dafür, dass Gott in diesem Jahr an mir arbeitet. Ich habe schon einiges über mich gelernt und Schritt für Schritt offenbart Gott mir, woran ich noch zu arbeiten habe.
Und ich bin dankbar für die Runde des Austauschens am Dienstag Abend. Man verliert echt viel zu schnell die Dankbarkeit über alltägliche Dinge. Fließend Wasser, intakter fahrbarer Untersatz, Strom, genug Trinkwasser, der Laden um die Ecke, ausgebaute Straßen, ...
Beten dürft ihr weiterhin für Aiden und seine Eltern. Er ist mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen worden nachdem alle seine Brüche in den Beinen operiert wurden. Allerdings wird er in absehbarer Zeit wieder ins Krankenhaus müssen, weil an seinem linken Fuß recht viel Gewebe entfernt werden musste. Das fehlende Gewebe muss jetzt in einem langen Prozess mit Operationen wieder aufgebaut und ersetzt werden. Seinem Vater (Pi Pop) geht es immer besser. Er hat immer noch Schmerzen in der Brust wegen der geprellten Rippen, aber er kann wieder Vollzeit arbeiten (er hat keinen körperlich anstrengenden Job), was zumindest den Täglichen Bedarf an Nahrung decken sollte... Dennoch ist immer noch keine Langzeit Lösung für die Abzahlung des Hauses oder die Bezahlung der Operationen von Aiden gefunden.
Ich danke euch für eure großartige Unterstützung im Gebet. Es ermutigt mich immer wieder auf's neue, wenn ich erfahre oder mir vor Augen führe, dass jeden Tag für mich gebetet wird. Danke auch für euren monatlichen Support, der es mir ermöglicht hier weiter zu machen und mir hin und wieder auch was zu gönnen.
Gott segne dich. In seinem Namen wünsche ich dir, der du das jetzt liest eine erfolgreiche nächste Woche. 🙏


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