Hey Leute
Die letzte Woche war wieder Ereigisreich und anstrengend. Abwechslungsreich und gesegnet.
Am Montag, nachdem das Juni&Friends Team Samstagabend wieder gekommen ist, hatten wir eine riesige Distribution in unseren bescheidenen WCP-Räumlichkeiten.
Nach kurzer Pause, die gerade mal zum abduschen vom Schweiß gereicht hat, haben wir dann den Abend im sogenannten 'Khum Kanthoke' verbracht.
Da das Team am Dienstag dann mit einigen Voluntären beim Elefantenreiten war, haben wir mit stark verminderter Teamstärke aufräumen dürfen. Den Tag darauf haben wir das 18-köpfige Team dann auch schon wieder verabschiedet.
Jenni und ich sind mit dem Cornerchair wieder ein gutes Stück weiter gekommen und am Freitagabend haben wir wieder für Chiang Mai gebetet. Diesmal allerdings in größerem Stil!
Die Woche hat begonnen mit einer Distribution, wie ich sie vorher noch nicht erlebt habe. 36 Mechaniker, Physiotherapeuten uvm. die an den Rollstühlen und Patienten gearbeitet haben, 3 Bürokräfte, die den Papierkram erledigt haben, ein paar Übersetzer und natürlich auch die Patienten. So voll, wie am Montag habe ich die 'open PT area' noch nie erlebt.
Durch die vorangegangene Distribution hatten sich schon so eine Art Arbeitsgruppen gebildet. Es hat niemand böse gemeint, aber die Menschen, die sich ganz gut kannten und zuvor schon eine Woche lang zusammengeabeitet haben, sind natürlich auch in ihren Grüppchen verblieben. Dadurch waren es leider auch immer die gleichen, die am Rand saßen und sich gelangweilt haben.
Ich hatte zwischendurch zumindest eine (im wahrsten Sinne des Wortes) große Aufgabe. Ein 5x3 Meter großes Banner sollte umgehangen werden. Von draußen, wo die Zeremonie stattgefunden hat
nach drinnen, wo zu der Zeit kräftig gearbeitet wurde.

Das Banner war ziemlich schwer und durch die gewählte Methode es aufzuhängen brauchte ich mindestens zwei Leitern und mehr, als zwei Hände. Also habe ich mir drei Helfer dazu geholt. So war das Banner Gott sei Dank recht fix aufgehangen ohne die Arbeiter zu sehr zu stören. Allerdings tut mir der Thai leid, der unter dem Rohr auf einem Stuhl saß und ein Stück von dem Seil, beim Essen, unverhofft auf den Kopf bekommen hat, weil es mir aus der Hand geglitten ist.
Nachdem die meisten Patienten behandelt und mit ihrem neuen Rollstuhl auf dem Weg nachhause waren hat der neue Director General (DG), welcher die letzte Entscheidungsgewalt im RICD hat und daher alles über seinen Schreibtisch geht, um eine kleine Führung gebeten. Mit seinem Gefolge und natürlich auch seinen Fotografen, hat er sich durch Warehouse, Workshop, Sewing department und das Office führen lassen.
Eine Sache, die ich super fand, und mir für das Rollstuhlprojekt auch mehr wünsche, war die Gebetsgemeinschaft der Amerikaner vor und nach der Arbeit. Sie haben Gott ganz bewusst mit in ihre Arbeit genommen und haben auch anschließend ganz spezifisch für den Tag gedankt. Für jeden einzelnen Patienten, dem sie helfen durften, haben sie Gott gedankt und ihn in seine Hand gelegt.
Ich bin Gott im ganzen auch sehr dankbar für diesen Distribution-Tag. Es war zwar sehr anstrengend für mich inmitten der ganzen Leute. Mal gelangweilt daneben sitzend, mal genervt von der Banner aktion und mal komplett überfordert, weil in 2 min 3 Leute mit Aufgaben auf mich zu gekommen sind, die dringend erledigt werden mussten.
Wir haben es leider nicht geschafft alle Patienten zu versorgen, da einige nicht gekommen sind und andere aufgrund von zu langer Wartezeit wieder gegangen sind.
Aber es war definitiv ein gesegneter Tag und wir sind sehr dankbar für jeden, dem wir helfen durften.
Den Abend haben wir dann alle zusammen in einem traditionellen Thai-Restaurant verbracht. Dort saßen wir an niedrigen Tischen und haben thai-speisen gegessen. Traditioneller weise verschiedenste Gerichte in kleinen Mengen serviert mit regelmäßigen Besuchen von Kellnern, die einem neuen Reis auf den Teller schöpfen.
Man saß unter sogenannten Sala. Das sind im Grunde genommen Dächer auf Säulen. Solche Sala sind hier in Thailand traditionell Orte an denen man sich trifft, um zusammen zu sitzen, zu essen, zu Reden, oder einfach, um Zusammensein zu genießen.
Umrahmt von Sala lag ein freier Platz, an dessen Ende ein ebenfalls traditionelles Thaigebäude stand. Dort wurden im Laufe des Abends Kunststücke, Tänze und trraditionelle Thai-Kunst vorgestellt. Auch ein Stück Thai-Geschichte wurde erklärt und mit Tänzen visualisiert/dargestellt.
Den ganzen Abend hat es in Strömen geregnet, weswegen niemand in der Mitte saß und wir dadurch einen umso Besseren Blick auf die Bühne hatten.
Allerdings bin ich anschließend auch triefend zuhause angekommen, weil ich es als einziger für eine Gute Idee gehalten habe mit dem Moped zu kommen...
Mit immer noch feuchtem Helm ging es am nächsten Morgen dann wieder auf die Arbeit. Nachdem alles vom Vortag aufgeräumt war, haben Jenni und ich beschlossen am Cornerchair weiter zu arbeiten. Es hat uns in die Karten gespielt, dass fast alle beim Elefantenreiten waren, denn deswegen haben wir für den Tag keinen Patienten bestellt und waren nach dem Aufräumen demnach arbeitslos. Die Zeit haben wir genutzt, sind früher gefahren und haben den Prototypen mitgenommen.

Mit selbigem sind wir zu einer unscheinbaren Polsterei gefahren, in der ganze Möbel handgefertigt werden. Anhand von Zeichnungen werden dort kunstvoll gestaltete Polstermöbel hergestellt. Dort hat Jenni auch Sofas bestellt, weswegen dieser Shop unsere Erste Anlaufstelle war.
Von außen sieht es wirklich, wie ein secondhand-Möbelshop aus, aber was dort raus kommt ist wirklich phantastisch. Und die Preise sind auch phantastisch...
Nur 1200 Baht hat er uns für alles berechnet!
Wir haben bestimmt 1,5h mit dem Besitzer in seinem Büro zusammengesessen und mit ihm besprochen, wie wir den Cornerchair am besten bespannen können.

Die dicke des Schaumstoffs, eine Lösung für die Befestigung des beweglichen Abductor Pommels, wo und wie die Polster montiert werden uvm.
Zu guter letzt haben wir uns natürlich auch eine Farbe ausgesucht. Da wir im RICD das Königshaus repräsentieren und unsere Schirmherrin die Prinzessin ist haben wir uns für ein schlichtes Lila entschieden.
Das ist die Farbe der Prinzessin, da sie an einem Samstag geboren ist und eine schlichte, passende Farbe für unseren ersten Prototypen.
Der Rest unserer Arbeitswoche war dann wieder gefüllt mit Ausräumen, Sortieren, Zusammenbinden, Einsortieren/Platz dafür finden/wegwerfen oder Spenden.
Abgeschlossen haben wir die Woche gestern Abend mit dem Besuch einer großen Veranstaltung. Ein riesiges Treffen von einigen der 5% Christen in Chiang Mai. Während 4h gab es Worship, motivierende und zum Nachdenken anregende Worte aber vor allem die Aufforderung zum Beten. Dieses Treffen wurde nämlich veranstaltet von "Revival Chiang Mai", die mit einigen der Gemeinden in Chiang Mai zusammenarbeiten um genau solche Treffen bekannt machen und organisieren zu können.
Der Grund der Zusammenkunft war, um für Chiang Mai und ganz Thailand zu beten. In den letzten Jahren ist die Zahl der Christen, besonders in Nordthailand, kontinuierlich gestiegen.
Genau wie die Zahl der Besucher des Events. Es ist sehr typisch für Thais, dass sie später kommen, aber wenn sie kommen, sind sie auch mit Leib, Seele und Geist dabei! Von der Freude, dem Elan und der Grundsätzlichen Atmosphäre bei diesem Event können sich viele Deutsche noch viel abschauen.

Es gab kaum einen, der nicht mitgesungen hat und die Lautstärke, die in den Gebetszeiten geherrscht hat, weil alle gleichzeitig laut gebetet haben, war zwar für mich zuerst irritierend, aber irgendwie auch ein Beweis dafür, wie viele Menschen in diesem Moment wirklich mit ihrem Herzen dabei waren und schamlos laut drauf los gebetet haben.
Am Eindrücklichsten fand ich aber die sog. 'Gebetsgänge' am Ende der Veranstaltung. Dazu haben sich die Mitarbeiter/Mitwirkenden der Veranstaltung in den Gängen zwischen den Sitzreihen aufgestellt und eine Art Gang/Tunnel gebildet durch den mal hindurch laufen konnte. Während man an den Mitarbeitern vorbei gelaufen ist wurde für einen gebetet, man wurde gesegnet und sie haben einem eine gesegnete Woche gewünscht.

Trotz der gehäuften Zahl von Nächten mit weniger Schlaf bereue ich nicht dort gewesen und bis zum Ende geblieben zu sein. Ich bin sehr dankbar dafür ein Teil dieser Veranstaltung gewesen zu sein. Erfahren zu haben, wie solch ein Treffen abläuft und erfahren zu haben wie es ist in und mit so einer großen Schaar Menschen für das gleiche Anliegen zu beten.
Dankbar bin ich auch für Gottes fortwährende Bewahrung auf allen unseren Fahrten hier in Thailand. In den letzten beiden Tagen bin ich an drei Unfällen vorbei gekommen. Ein Kleinwagen, der ne Laterne gerammt hat (kein Krankenwagen), ein Auffahrunfall von zwei Autos (auch scheinbar keine Verletzen) und ein mit dem Auto gerammtes Moped (Ambulance, Polizei und Absperrung). Dass bei dem Unfall mit dem involvierten Moped, im Gegensatz zu den anderen, ein Krankenwagen dabei stand hat mich zum Nachdenken gebracht, da wir Kurzzeitler ja auch hauptsächlich mit dem Moped unterwegs sind.
Aber auch, wenn man gerade kein direkter Teilnehmer am Straßenverkehr ist kann man sich die Beine dreifach brechen. Wie der arme Aiden (Sohn von Khun Yay und Pi Pop). Ich bin dankbar, dass er mittlerweile über den Berg ist. Wir haben ihn vor kurzem im Krankenhaus besucht und er konnte (trotz Schmerzen) schon wieder lächeln. Auch Pi Pop ist auf dem Weg der Besserung. Er hat zwar auch starke Schmerzen wegen einigen geprellten Rippen, aber sein Körper heilt jetzt von selber.
Aiden hat allerdings noch 7 Operationen vor sich, von denen die Eltern nicht wissen, wie sie diese auch nur Ansatzweise bezahlen sollen. Es soll wohl ein Arzt gefragt haben, ob er das Bein lieber Amputieren solle, damit keine zu extremen Kosten für Yay und Pop entstehen. Doch es wurde für sie gebürgt, sodass die OPs auf jeden Fall durchgezogen werden.
Zu alledem ist der Fahrer des Autos, welches gegen ein Moped gefahren ist, das dann Pop und Aiden mitgenommen hat, immer noch nicht dingfest gemacht worden, weswegen die Rechtliche Lage bisher auch alles andere, als geklärt ist...
Es gibt also immer noch viel für diese Familie zu Beten.
Danke für eure Unterstützung und die regelmäßigen Gebete. Wir sind gerade alle besser dran, als Pi Pop, Khun Yay und ihre Familie... Dankt Gott dafür!

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