Hey Leute
Meine Woche hat begonnen mit einem interessanten Erntedank-Gottesdienst.
Nach einem der ordnungschaffenden Tage musste ich mein Moped halb auseinander bauen, um an einen Bowdenzug zu kommen.
Außerdem ist es hier extrem viel günstiger sich vegetarisch zu ernähren, als in Deutschland.

In der TDG (Thai-Deutsche Gemeinde) haben wir am Sonntag Erntedank-Gottesdienst gefeiert. Es gab zwei Dinge, die für mich an diesem Gottesdienst neu waren.
Das erste ist ne sehr gute Idee wurde aber etwas... "interessant" umgesetzt.
In der Mitte des Gottesdienstsaals stand ein Mikrofon, welches nach dem Lobpreisteil, vor der Verabschiedung der Kinder in den Kindergottesdienst, freigegeben wurde. Dort konnte man sagen, wofür man Gott in diesem Moment oder im letzten Jahr dankbar ist/war. Soweit so gut.
Allerdings ist der Gemeindeleiter vorne auf der Bühne stehen geblieben und hat jeden Beitrag kommentiert...
Meiner Meinung nach hat dadurch nach jedem Beitrag eine peinliche Stille geherrscht. Ich jedenfalls habe mir mehr Gedanken darüber gemacht, was für ein Kommentar wohl auf meinen Beitrag folgen würde, als über das nachzudenken, was die Person gerade gesagt hat. Ich habe mich so zerdacht, dass ich mich nicht mehr getraut habe einen Beitrag zu geben.

Was anschließend kam war allerdings nicht nur schön und süß, sondern auch echt genial. Die Kinder der Gemeinde haben nämlich Bilder gemalt und eins hat sogar eine art Gedicht geschrieben mit den Dingen, wofür sie Gott dankbar sind. Diese Bilder haben die kleinen (zumindest alle, die sich getraut haben) nach vorne gebracht, gezeigt und auf den Gabentisch gelegt.

Die Predigt wurde an diesem Sonntag von dem Vorstehenden des Gemeinschatsverbandes gehalten, dem die TDG angeschlossen ist. Dieser Gemeinschaftsverband ist thailändisch und die meisten angeschlossenen Gemeinden sind solche, die nur Thai oder Thai und Englischen Gottesdienst machen. Daher war es nicht besonders verwunderlich, dass er auf Thai gepredigt hat. Auf diese Weise haben wir ihm und dem Verband thai-style danke gesagt.
Übersetzt wurde für uns deutschen diesmal nicht simultan auf Kopfhörer, einfach weil nicht genug Kopfhörer da sind, sondern von vorne im Thai-Deutschen Wechsel.

Vorstand Gem.Verb., Übersetzerin, Gemeindeleiter
In der Predigt ging es um Dankbarkeit in der Bibel. Wir sollen (und können) in jeder Situation für etwas dankbar sein. Die Seligpreisungen (Matthäus 5) sagen schließlich nicht 'Selig sind die, in deren Leben alles gelingt, wie sie es sich vorstellen'. Sondern V.9: "Glückselig sind die Friedfertigen, denn sie werden Söhne Gottes heißen!"
Und Friedfertigkeit ist ein großes Thema. Ich glaube nicht, dass ich es verstanden habe oder komplett friedfertig bin, aber im Projekt benötigen wir gerade viel Friedfertigkeit. Wir sind aktuell dabei alle Bereiche (Schrauben, Achsen, Arbeitsbereiche, Werkzeuge, Schränke, Reifen und Schläuche uvm.) komplett durchzusortieren und zu ordnen.
Wir nehmen in jedem Bereich buchstäblich jedes Teil einmal in die Hand und entscheiden, ob wir es wegwerfen oder nicht, wo und wie wir es lagern, wenn wir es behalten und ob wir ihm ein Stichdatum geben, wenn es nur wenig gebraucht wird.

Das größte Problem ist, dass es extrem unterschiedliche Meinungen dazu gibt, was als Müll weg kann oder noch gebraucht werden kann. Fast täglich gibt es Streit darüber und dann müssen Geduld und Friedfertigkeit aufgebracht werden, um Kompromisse zu finden. Aber ich möchte hier nicht rumnörgeln. Es ist sehr gut, dass Ordnung in das Chaos kommt. Schließlich haben am Ende alle was davon, wenn es (halbwegs) ordentlich aussieht und man weiß, wo man was findet.

Am längsten dauert es wohl jede einzelne Schraube und Mutter in die Hand zu nehmen, ihr genaues Gewinde zu bestimmen (Metric, Imperial und alle möglichen und unmöglichen Größen sind hier oft in einem Behälter zusammengeschmissen. Viel Glück aus so einem Eimer mit einem Griff die richtige Schraube rauszuholen).
Erika (zuständig für Inventur und Übersicht) bleibt regelmäßig länger im RICD nur um eine Schraube/Mutter nach der anderen am 'Thread-Checker' (s. Bild u.) zu testen, und einzusortieren.

Bis vor kurzem habe ich das, wie alle anderen auch, nicht wahrgenommen und zu schätzen gewusst. Ich habe es erst realisiert, als ich wegen meinem Moped länger geblieben bin. Der Bowdenzug meines Gashebels hatte sich unter der Abdeckung verhakt, weswegen mein Moped jedes mal wie blöd beschleunigt hat, wenn ich nach links gelenkt habe.
Erst dachte ich das wird einfach... Falsch gedacht. Die Abdeckungen sind so verzwickt miteinander verbunden und ineinander verhakt, dass man die ganze vordere Hälfte abnehmen muss, um an die Lenkung und den Bowdenzug zu kommen.

Was ich durch diese reparatur Aktion auch mitbekommen habe ist, dass auch nach 4 Uhr noch LKWs zum RICD kommen, um Rollstühle für uns von A nach B zu transportieren. Allerdings beladen die sich nicht von allein. Gott sei dank waren CeCee und Stefan noch da.

Zum Abschluss dieser anstrengenden Woche (in der ich auch die Sprachschule abgeschlossen habe) sind wir dann noch mit allen Kurzzeitlern in ein 'Organic Food' Restaurant am anderen Ende von Chiang Mai gefahren. Dort gibt es individuellen Salat nach eigener Zusammenstellung mit einem aus >40 Dressings für nur 50 Baht (ca. 1,30€). Das Hauptgeschäft wird wohl mit den Hausgemachten Smoothies gemacht. Allerdings bekommt man für 95 Baht (ca. 2,50€) auch eine Menge an Smoothie, dass man sich zurecht fragen muss was nun mehr Nährstoffe hat. Der Salat oder der Smoothie...

In dieser Woche bin ich dankbar die Sprachschule beendet zu haben. Ich würde zwar gern mehr in Form von Unterricht lernen, da ich mich dann mehr dahinter klemme und ich fand es auch gut, dass wir die Schultage frei hatten zum lernen. Doch ich brauche auch die tägliche Routine, die besser/einheitlicher gegeben ist, wenn ich jeden Tag arbeite. Ich habe mir vorgenommen in Thai-Gottesdienst und auf Arbeit, Thais zu befragen und mich mehr auf Thai mit ihnen zu unterhalten.
Ich bin Dankbar, dass bisher niemandem etwas ernstes hier im Straßenverkehr passiert ist. Hin und wieder rutschen Freiwillige auf Sand oder Kies aus, der hier überall am Straßenrand liegt, aber Gott sei Dank hat sich bisher niemand mehr, als mehr oder weniger große Schürfwunden zugezogen. Auch Zusammenstöße gab es noch keine.
Außerdem bin ich dankbar für meinen Anschluss in der TDG. Wir haben mittlerweile 4 Musikteams gebildet und in zwei davon darf ich mich einbringen. So lang wir noch Hanna's Geige ausleihen müssen werde ich in einem Geige spielen und im anderen Team Cajon, doch wenn wir Hanna nicht mehr belasten müssen und für die Gemeinde eine eigene Geige besorgt haben werde ich jeden zweiten Sonntag tun, was ich in Musikteams am liebsten mache. :D
Beten dürft ihr diese Woche für meine Motivation mir weiter, selbst oder mit Hilfe von Thais, Thai beizubringen. Ich fürchte, dass ich die Motivation verliere und am ende des Jahres zwar besser englisch, aber kaum noch Thai sprechen zu können.
Bitte betet auch für gute Gemeinschaft unter uns Kurzzeitlern. Da die Sprachschule jetzt rum ist werden wir wieder mehr Zeit in der großen Runde verbringen. Ich weiß von einzelnen, die schon nichts mehr miteinander unternehmen wollen, weil unausgesprochene Dinge (wenn auch nur einseitig) zwischen ihnen stehen. Betet, dass wir unbeschwert, gemeinsam dieses Jahr erleben können.
Durch das großangelegte Aufräumen und Sortieren rücken meine Projekte und Aufgaben im Projekt noch ein kleines Stück weiter in den Hintergrund. Betet also bitte dafür, dass ich nicht irgendwann vor einem Berg von Projekten kapitulieren muss, sondern eins nach dem anderen abhaken kann, wenn diese Zeit des Ordnungschaffens vorüber ist.
Ich wünsche dir noch einen schönen Tag/Abend. Gott segne dich. 🙏


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