Sonntag, 21. Januar 2018

#lebensschule

Hier auf der Bibelschule lernt man wesentlich mehr, als Bibelverse auswendig.
Damit meine ich nicht, dass man außerdem Gliederungen von Büchern, Exegese und Kirchengeschichte lernt.

Die Bibelschule ist für ich auch eine echte Lebensschule geworden.
Das heißt, dass Gott ganz individuell an meinem Leben arbeitet. Er zeigt mir was falsch läuft, weckt Seiten von mir, die ich bisher nicht gekannt habe und wirft einige meiner Zukunftsplanungen über den Haufen.

Im ersten Trimester habe ich geschrieben, dass er mich 'gebrochen' hat damit er mich jetzt wirklich gebrauchen kann. Das möchte ich jetzt erklären.
Ich habe mir Jahre lang eine Maske aufgebaut. Nach dem Motto: "Ask me how I'm doin', I'll say "okay, "
But ain't that what we all say?" bin ich jeder Frage oder Stellungnahme ausgewichen.
Ich habe oft so getan, als wär alles in Ordnung, doch in mir war einiges zerrissen. Gott hat mich in dieser Zeit -ihm sei Dank-  vor vielem bewahrt. Ich denke das lag vor allem daran, dass mir die Meinung meiner Eltern/Familie und wie sie mich wahrnehmen trotz allem sehr wichtig war. Ich bin zum Gottesdienst, zur Jugend und auf christliche Freizeiten gegangen obwohl mich nichts davon interessiert hat. Ich hatte Kontakt mit Menschen, habe mich aber innerlich zurück gezogen, sodass keine Beziehungen entstehen konnten. Habe mich vertieft in Aufgaben/Schule/Ausbildung, meine Gefühle unterdrückt mit Musik und freie Zeit totgeschlagen mit YouTube/Netflix&CO. 


Durch eine Jugendevangelisation vom EGV namens Decide hat Gott mich dann ganz konkret angesprochen. Es ging darum, dass man sich entscheiden soll. Ich bin Angelo Weiss sehr dankbar für seine radikale Wortwahl. Nachdem er geredet hatte war mir klar: 1 oder 0, heiß oder kalt, 100% für oder 100% gegen Gott. Viele haben sich damals über die Musikwahl für das Intro (You Decide von Fireflight) aufgeregt. Für mich war es der Schlüssel, der mich aufgeschlossen hat für die Botschaft des Abends. 

Fiction and reality collide
Faceless and so busted up inside
You've been searching you've been crying out
Will you be destroyed by all your doubt?
You decide, who will you run to?
Wrong or right, there is no reason for you to hide
Only love can change your life
Only love can change your life, you decide
God is calling out to you again
Let Him pull you, let Him take you in
From the fear that swallows up your life
Will you stay the same or will you fight
Every day you hold on to your lonely broken heart
It's tearing you apart
God is calling out to you just let healing start
Will you open up and let Him in
You decide, who will you run to?
Wrong or right, there is no reason for you to hide
Only love can change your life
Only love can change your life, you decide

Der Text hat genau in meine Situation hinein gesprochen auch wenn ich das erst 2 Jahre später realisiert habe, als Decide zum zweiten (und leider letzten Mal) veranstaltet wurde.
Stück für Stück hat Gott mich vorbereitet auf 2016. 
In dem Jahr war ich gleich auf zwei Sommerfreizeiten. In der ersten Freizeit hat Gott mir 2 Menschen an die Seite gestellt, die mir heute noch sehr wichtig sind. Eine davon ist Sophie. Ich hatte zu der Zeit viele Fragen. Unter anderem einige sehr kritische, die ich mich in meinem heimatlichen Umfeld nicht getraut habe zu fragen. Sie war als Mitarbeiterin dabei und hat mir viele meiner Fragen beantwortet, die ich bezüglich des Glaubens hatte. 
Viele Antworten haben wir in der Bibel gefunden und auf andere gibt es keine eindeutige Antwort. Mir ist während der Gespräche mit Sophie immer deutlicher geworden, dass es wichtig ist sich in der Bibel auszukennen. Nicht zuletzt deswegen um von solchen Fragen nicht mehr so stark angefochten zu werden, sondern sofort eine Antwort parat zu haben hinter der man steht (die eine Meinung vertritt, die man sich selber gebildet hat und nicht übergestülpt wurde) und die durch Bibel begründbar ist.
So bin ich auf die Bibelschule gekommen.

In den nächsten Wochen ist mein Vertrauen in Jesus immer weiter gewachsen und sollte auf der nächsten Freizeit bestätigt werden.
Mit ein paar Jugenden des EGV sind wir nach Österreich gefahren in die schöne Schlossvilla am Millstätter See. Dort sind wir einige male gewandert. Die Natur, der Ausblick von den Bergen und der schöne See haben mir Gottes Größe und Allmacht nochmal ganz besonders vor Augen gemalt. Während der Freizeit ist das Thema Taufe aufgekommen. Ich habe gebetet und wusste das ist jetzt auch für mich dran. Im Anschluss an diese Entscheidung bin ich nochmal sehr vom Teufel angegriffen worden. Ich hatte Zweifel, Sorgen und meine Gedanken haben kaum eine Sekunde still gehalten. 
Gott sei dank habe ich mich trotzdem taufen lassen. Nachdem ich aus dem Wasser gestiegen bin war mein Kopf dann vollkommen leer. Ich habe mich sogar an ein paar Namen nicht mehr erinnert. Ich hätte lachen, weinen, schreien... können. Reizüberflutung und doch absolut stille Gedanken. Auf eine Art erfüllt, die ich nicht beschreiben kann.

Ab diesem Moment wusste ich: Gott ist es Wert und ich kann den Versuchungen des Teufels mit seiner Hilfe widerstehen.
Ich habe begonnen viel zu verstehen und in meinem Leben aufzuräumen, doch ich war mir der Maske noch nicht bewusst, die mich gegenüber anderen Menschen verschlossen hat. Ich trug die Maske weiter ohne mir ihrer Existenz bewusst zu sein. Ganz Praktisch bedeutet das, dass ich mich den Menschen gegenüber, die ich kannte nicht wirklich öffnen konnte. 
Erst nachdem ich auf der Bibelschule einige tiefgründige Gespräche geführt hatte und mich selbst oft und lange selbst reflektiert hatte wurde mir beim Hören des Liedes "Change this Heart" von den Sidewalk Prophets bewusst, dass ich mir eine Maske aufgezogen hatte, die über die Jahre zu meinem Wesen geworden ist. In dem Lied heißt es "Lord, I have so many masks To cover up and hide" 

Das ist der Moment den ich meinte mit "gebrochen". Manche haben den Eintrag gelesen und nachgefragt, was ich damit meine und ich habe es heruntergespielt und behauptet, dass ich das wohl zu krass formuliert hätte, aber das war gelogen.
Ich habe mich wirklich zerbrochen gefühlt. Ich lag in meinem Bett und habe seit sehr langer Zeit wieder echte Tränen geweint. Alles, was ich dachte, das mich ausmacht, alle Fassade und coolness hat seinen Wert verloren.
Es fällt mir immer noch schwer ehrlich zu sein und Menschen gegenüber offen. Nicht etwas darzustellen, das ich nicht bin und vorallem die Menschen in meinem Umfeld wertzuschätzen. Aber ich habe die Maske vor das Kreuz gebracht. Nach und nach entdecke ich, welche meiner Wesenszüge es wert sind bei zu behalten und welche ich ablegen muss. Ich bin mehr und mehr fähig Mitgefühl zu empfinden weil ich mehr und mehr meine eigenen Gefühle wahrnehme die ich bisher immer unterdrückt und zuletzt sogar ausgeschalten habe.
Dank geht an dieser Stelle raus an Miri (die zweite Person, die Gott mir auf der Freizeit an die Seite gestellt hat) mit ihr habe ich zuerst gelernt Gott dankbar zu sein für kleine, große und schwere Dinge. Sie hat mich ermutigt zu danken auch wenn man gerade nicht in der Stimmung ist zum Danken und auch keinen wirklichen Grund dazu sieht. Das hat mir geholfen zuerst dank und langsam aber sicher auch andere Gefühle wieder zu spüen und ein GEspür dafür zu bekommen.
Danke für alle, die diesen Prozess miterlebt und mich im Gebet unterstützt haben.

Jetzt muss die Veränderung, die bisher größtenteils in mir stattgefunden hat auch nach außen dringen. Betet dafür, dass ich einen Unterschied machen kann.
Dass ich in Zukunft ehrlich, offen und wertschätzend auf meine Mitmenschen zugehen kann.
Dass ich lerne wer ich wirklich bin und mich in diesem Prozess von Gott leiten und formen lasse.

Ich habe dieses Jahr angetreten weil ich Zeit für Gott einsetzen wollte. Mein Gebet war: "Zeig mir, was dran ist, gebrauche mich." Ich wollte Gott und sein Wort besser Kennenlernen (Bibelschule) und ich wollte, dass Gott meinen Charakter formt (Thailand). Beides hat bereits begonnen und ich bin gespannt, was Gott mir noch alles zeigen wird.
Hier auf der Bibelschule und dann auch in Thailand.

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